Tekom Tagung 2012, Wiesbaden

Einen kleinen Rückblick über die vergangene Tekom-Tagung in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Ich beschäftige mich nun schon seit meiner Zertifizierung mit „Technischer Kommunikation“ und muss sagen, dass ich auch dieses Jahr auf der Tagung wieder einige neue und spannende Projekte, Technologien und Anbieter gesehen habe. Das ist vielleicht auch schon das Thema, das wir ansprechen sollten. Was gibt’s neues?

Die Daseinsberechtigung für technische Dokumentation muss längst nicht mehr diskutiert werden. Der Vorzug von immer mehr technischen Geräten in den Haushalt und die steigende Zahl der „Elektrotechnik“ in allerlei Sparten des Maschinenbaus, der der KFZ-Herstellung und unzähligen weiteren Branchen ist nicht mehr aufzuhalten. Steigende Komplexität der Projekte, der Anlagen und der Endgeräte sind die Folge. Aber es geht noch weiter. Alle diese Geräte sollen nicht nuruntereinander vernetzt sein – Geodaten, technische Kennzahlen und Fehler an einen Server senden – sie sollen am Besten auch noch von Smartphones, Tablets oder über eine Web-App steuerbar und kontrollierbar sein. Und das zu jeder Tages und Nachtzeit.

Spätestens jetzt ist auch klar, dass man all diese Geräte nicht mit einem kleinen feinen unprofessionellen Benutzerhandbuch steuern, warten und bedienen kann. Und…es ist auch klar, warum technische Redakteure heutzutage ein weitaus größeres Wissen aufbringen müssen. Warum Sie sich für mehrere Systeme, Technologien, Programmiersprachen, Branchenspezifikas, Produktionsvorgänge, Steurungen, Design-Instrumente und Programme, Normen und Vorschriften interessieren (müssen)!

Aber jetzt zurück zur Tagung…

Augmented Reality in der Technischen Dokumentation
Letztes Jahr noch ein wenig verpönt und mit großer Skepsis gesehen, wurden heuer doch einige spannende Projekte vorgestellt. Sowohl für den Endverbraucher als auch für die Anwendung im B2B-Bereich. Samsung hat beispielsweise die Gebrauchsanleitung für die  Wechslung einer Tintenpatronen in einem Drucker auf’s Handy gebracht…>>siehe hier.

Oder VW lässt mit dem Fahrzeug-Service der Zukunft einen kleinen Blick in ihr „Trainings-Center“ werfen...>>siehe hier.

Acrolinx
Hat mich letztes Jahr noch das Autorenprogramm Congree so fasziniert, ist heuer Acrolinx wieder mächtig im Rennen. Ein paar Vorteile hat das System ja offensichtlich doch mehr. Studien belegen, dass die Prüfung von geschriebenem Text in Echtzeit für die Autoren eine sehr nervende Angelegenheit ist und den Schreibfluss und die Konzentration maßgeblich beeinträchtigt. Deshalb setzt Acrolinx auch nicht auf eine Echtzeitprüfung sondern bleibt dabei, dass nach geschriebenem Text die Prüfung manuell „angeworfen“ werden muss. Was dem Autor hilft, soll mir recht sein.

Ein großer Vorteil der mir jetzt ganz gut gefallen hat, ist die internationalität. So kann die stilistiche Prüfung nicht nur in Deutsch, sondern auch in weiteren Sprachen durchgeführt werden (Informationen welche Sprachen verfügbar sind, gibt es bestimmt auf der Website). Das scheint mir vor allem dann wichtig, wenn Unternehmen den ersten großen Schritt in Sachen internationalität wagen und als Konzernsprache z. B. Englisch einführen. Ich glaube nämlich nicht, dass jede/r Mitarbeiter/in in einem Unternehmen über die sicheren Englischkenntnisse verfügt und sich traut seine Gesprächsprotokolle oder Anweisungen in englisch zu verfassen. Da kann Acrolinx schon sehr hilfreich sein.

Und ein letzter Punkt der auch noch ganz spannend sein kann… Möchte man seine bestehenden TMS-Daten mit dem gerade geschriebenem Text abgleichen (um z. B. Übersetzungskosten zu sparen) wird auch hier gleich die stilistische Prüfung „angeworfen“. Man weiß ja oft nicht, wie alt die TMS-Daten schon sind und ob damals alles nach den stilistischen Regeln von heute verfasst wurde.

Technische Doku im E-Paper und Mobile Apps
Ja, die mobilen Geräte sind auf dem Vormarsch… Aber seid ihr es auch leid, das Blätter-PDF auf dem iPad nicht ansehen zu können. Oder das normale PDF ständig hin und her scrollen zu müssen? Die Hersteller aller Arten sind sich da aber leider auch noch nicht einig, welches Format denn nun Plattformübergreifend und mit allen Special-Effekts funktionieren soll. ePup, .folio oder doch Apples iBook? Zudem ist es momentan noch ein ziemlich langwieriger und komplizierter Prozess, die Dokumente aus dem normalerweise verwendeten Layoutprogramm (vorwiegend InDesign) 1:1 in das Tablet-Layout zu bringen. Da warten wir am Besten noch ein wenig ab und sehen was die nächste Tekom-Tagung bringt.

Zum Thema App aber noch eine kleine Empfehlung. Schaut euch den Garant ToolScout der Hoffmanngroup mal genauer an. Ist im iTunes-Store verfügbar. Umgesetzt wurde das Ganze von der >>Tanner AG, die an dieser Stelle auch ein heißer Tipp sind, falls ihr was in diese Richtung vorhabt.